Wirklich nachhaltig bauen

Wirklich nachhaltig bauen

Bauen im Bestand | Tragwerksplanung

Wirklich nachhaltig bauen

Nachhaltigkeit entsteht immer dann, wenn Planer offen miteinander sprechen. Peter Lenz über die Verbindung von High-Tech und gelebter Kommunikation.

Innenhof, Elementum, München
© Herzog & de Meuron

Das Münchner Projekt Elementum der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron stellt höchste Anforderungen an Bauteiluntersuchung und Statik. Der 30 Jahre alte Bestandsbau steht direkt über zwei U-Bahn-Tunneln und soll Maßstäbe setzen in Sachen Recycling und Baukultur.

Wie ist es, mit Herzog & de Meuron zusammenzuarbeiten?

Spannend. Die Schweizer sind für ihre außergewöhnliche Architektur bekannt, mit besonderer Detailtiefe und einem hohen Grad der Ausarbeitung. Bewundernswert ist, wie sie vielfältige Varianten studieren und bereit sind, bereits Erarbeitetes zu Gunsten einer besseren Variante zu hinterfragen und zu ersetzen.

Herzog & de Meuron: außergewöhnliche Architektur; besondere Detailtiefe; hoher Grad der Ausarbeitung.
Visualisierung: Herzog & de Meuron

Beim Hinterfragen treffen Sie sich…

…in der Tat, wir wollen die optimale Lösung errechnen. Dabei fragen wir uns immer: Was ist das Ziel der Architekten? Und wie können wir es erreichen? Dann treten wir in den Dialog, sprechen beispielsweise über freigeschnittene Bewehrungsenden und andere unkonventionelle Lösungen. Entscheidend ist der Dialog aller Beteiligten.

ZM-I: die optimale Lösung als Ziel; der Dialog mit allen Beteiligten; Statik auf Basis architektonischer Ideen

Übersetzen Sie architektonische Ideen in Statik?

Statik wächst gewissermaßen bei der Erarbeitung architektonischer Ideen im Dialog mit den Architekten. Jeder muss die Belange der Planungspartner würdigen und bereit sein, Kompromisse einzugehen.

Kompromisse, aber keine Abstriche bei der Qualität…

Genau. Für das Tragwerk bleibt Sicherheit das Wichtigste.

Wären Sie Eiskunstläufer, ginge es um einen doppelten Axel mit Toeloop.

So ungefähr. Der Bestandsbau verlangt Sanierungsmaßnahmen an bestehenden Bauteilen, Ertüchtigungen hinsichtlich des Brandschutzes und der Tragfähigkeit. Als Grundlage für die Planung wird der Zustand der Bestandsbauteile durch unsere „Diagnostic“ geprüft.

…und trotzdem den zukünftigen Nutzer hochwertige Flächen zur Verfügung zu stellen
Die Grundidee: möglichst viel bestehende Bausubstanz erhalten…

Konkret: Welche Probleme oder speziellen Aufgaben lösen Sie beim Elementum nahe dem Münchner Hauptbahnhof?

Das Projekt setzt auf einer rund 30 Jahre alten Gebäudestruktur auf. Nachhaltigkeit steht dabei stark im Fokus. Die Grundidee besteht darin, möglichst viel bestehende Bausubstanz, im Sinne der Ressourcenschonung und CO2-Bilanz, zu erhalten und trotzdem den zukünftigen Nutzer hochwertige Flächen zur Verfügung zu stellen. Alle Arbeiten müssen unter Beachtung des statischen Korsetts des Bestandes erfolgen, wobei der U-Bahn-Betrieb direkt unter der Baustelle weitergeht.

Was kann die Abteilung Diagnostic? Und
was macht sie besonders?

Diagnostik hinterfragt einfach alles. Das sind Spezialisten, die nichts anderes tun als Bauwerksuntersuchung. Sie stellen den Zustand messerscharf dar. Wie medizinische Diagnostiker mit einem CT. Wir durchleuchten das Bauwerk umfassend.

Das Gebäude ist ein Manifest des Recyclings.

Dieser Ansatz ist zentraler Entwurfs- und Wettbewerbsgedanke. Durch den Erhalt der überwiegenden Bausubstanz, der beiden Untergeschosse sowie von drei Obergeschossen, wird der Grundsatz Re-Use verfolgt. Das reduziert den Abtransport der Abbruchmaterialien. Soweit möglich, werden Abbruchmaterialien für den Neubau wiederverwendet.

Grundstatz der Architekten: Re-Use

Was sind die größten Herausforderungen
beim Bauen im Bestand?

Neben der Frage nach einer belastbaren Bestandsdokumentation stellt die  Entwicklung der Bau- und Baustofftechnik, der Normen und Sicherheitsaspekte eine Herausforderung dar: Inwieweit genügt das Gebäude den aktuellen Bauvorschriften und den Anforderungen an die Nutzung? Beim Bauen im Bestand tauchen in der Ausführung Unwägbarkeiten auf, da die Bestandssituation gegebenenfalls nicht der Plansituation entspricht. Deshalb ist beim  Bauen im Bestand vor allem eine hinreichende Zustandserfassung erforderlich. Und das übernimmt unsere „Diagnostic“.

Visualisierung: Herzog & de Meuron

Welche Teams sind beteiligt?

Wir sind Teil des Generalplanerteams. Für die Fachdisziplin Tragwerksplanung/Statik bilden wir mit unseren Kollegen der Schnetzer Puskas Ingenieure AG eine Ingenieurgemeinschaft, ein Team im Team. Zudem sind wir für Spezialaufgaben zuständig, etwa für die Sanierung und Ertüchtigung der Tiefgarage und für Fragen zur Bestandskonstruktion – vor allem zum tatsächlichen Zustand. Neben demTeam „Diagnostic“ und „Instandsetzung“ ist auch das „BIM-Team“ involviert, um die Abstimmung der einzelnen Fachmodelle zu begleiten und den Informationsaustausch im Team zu betreuen.

Unser Grundsatz: offen miteinander reden

Was macht das Projekt Elementum besonders?

Seine Komplexität. Beispielsweise wird das Gebäude von zwei U-Bahntunneln mit geringer Überdeckung unterfahren. Der hohe Abstimmungsbedarf zwischen allen Beteiligten spornt uns an. Es zeigt sich, wie wichtig die menschliche Komponente in solchen technischen Planungsprozessen bleibt. Nur durch ein Miteinander im Team lässt sich die Aufgabe erfolgreich lösen.

Also Dialog von Menschen trotz vieler Excel-Tabellen?

Unbedingt. Daten sind gut, aber wenn sie nicht zusammenpassen, liegt es oft daran, dass Menschen nicht miteinander reden. Offen und fair zu kommunizieren, das ist Teil unseres Unternehmensleitbildes. Wir sprechen Probleme vertrauensvoll und transparent an, auch wenn es unangenehm ist. Wir wollen schließlich Probleme lösen und keine Schuldigen suchen. Das ist Baukultur.

80 Meter Abgrund

80 Meter Abgrund

Baustatische Prüfung | Bauwerksuntersuchung

80 Meter Abgrund

Deutschlands größte Behelfsbrücke steht direkt neben dem Baudenkmal Echelsbacher Brücke

Vor Ort heißt vor Ort: Bauwerksprüfer bei der Arbeit.

Die 130 Meter lange Echelsbacher Brücke ist ein technisches Meisterwerk. Nun wird das 1929 errichtete Baudenkmal durch einen Neubau ersetzt. Wir begleiten das Projekt von Anfang an.

80 Meter fällt die Ammerschlucht bei Bad Bayersoien ab, ein neuralgischer Punkt der B 23 zwischen Garmisch-Partenkirchen und Augsburg. Seit 1929 überspannt sie ein gewaltiger Bogen aus Beton und Stahl, die Echelsbacher Brücke. Das 130 Meter lange Baudenkmal gilt als größte Melan-Brücke, die noch immer in Betrieb ist. Gerade wird sie erneuert. Der Verkehr fließt währenddessen über Deutschlands größte je errichtete Behelfsbrücke, eine 266 Meter lange Konstruktion.

Es ging um die Frage:
Neubau oder weitere Instandsetzung?

Bauwerke stehen im Spannungsfeld zwischen Alterungsprozess und gleichzeitig steigenden Anforderungen an den Verkehrsweg (Verkehrsraum und -aufkommen). Neben den Bauwerksuntersuchungen spielt die rechnerische Beurteilung der Tragfähigkeit eine zentrale Rolle. Dazu haben wir die Melankonstruktion in allen Einzelteilen modelliert und konnten so das Tragverhalten und die Belastbarkeit der Bestandskonstruktion im Detail beurteilen. Mit unseren Untersuchungen und Berechnungen konnten wir damit den Bauherrn bei der Frage „Neubau oder weitere Instandsetzung?“ beraten und unterstützen.

 

Gewusst wie: Alt stützt Neu

Für den Ersatzneubau wird der Bestandsbogen als Traggerüst genutzt und stützt so den Neubau bei der Herstellung. Damit schließt sich für den Bogen nach fast einem Jahrhundert der Kreis, der schon 1929 als Traggerüst bei der Herstellung der Echelsbacher Brücke gedient hatte.

Eleganter Bogenschlag: die Echelsbacher Brücke
Unser besonderes Augenmerk gilt der Interaktion zwischen Bestandsbogen und Neubau.
 
Deutschlands größte Behelfsbrücke …
… übernimmt die Verkehrslast
Wir bündeln das Wissen unterschiedlicher Fachbereiche: von der Bauwerksprüfung und -untersuchung bis hin zur rechnerischen Bewertung des Bestands

Gewusst wo: Bauwerksprüfung

Selbst ausgefeilteste Ingenieurbauwerke wie die Echelsbacher Brücke altern. Unsere Aufgabe besteht darin, sie regelmäßig zu begutachten und zu bewerten. Dazu kommen Sonderprüfungen in engen Zeitabständen, die unseren Bauwerksprüfern viel abverlangen. Bei der Echelsbacher Brücke heißt das: abseilen. Dabei nehmen wir Umweltbelange ernst. Das streng geschützte Große Mausohr hat an und in der Brücke sein Quartier bezogen. Diese seltene Fledermausart soll nicht heimatlos werden. Dazu bündeln wir das Wissen unterschiedlicher Fachbereiche: von der Bauwerksprüfung und -untersuchung bis hin zur rechnerischen Bewertung des Bestands. Nur durch interdisziplinäres Vorgehen konnte der Grundstein für den Fortbestand des Verkehrsweges gelegt werden.

Nur durch interdisziplinäres Vorgehen konnte der Grundstein für den Fortbestand des Verkehrsweges gelegt werden.
Schwindelfreiheit von Vorteil: Inspektion der Echelsbacher Brücke.

Seit über zehn Jahren überwachen wir (Dr.-Ing. Markus Hennecke) das Baudenkmal und übernehmen die baustatische Prüfung des Neubaus. Nachdem sich die Bauverwaltung für den Neubau entschieden hatte, begleiten wir den Tragwerksentwurf der Bürogemeinschaft Dr. Schütz Ingenieure, Kolb Ripke Architekten und Narr Risk Türk Landschaftsarchitekten in den weiteren Planungsphasen.

Feuer und Flamme für Sicherheit

Feuer und Flamme für Sicherheit

Brandschutz

Feuer und Flamme für Sicherheit

Brandschutz wird immer wichtiger – daher haben wir eine eigene Einheit gegründet, die ZM-I Fire + Risk GmbH.

Brandschutz ist ein entscheidender Faktor in der modernen Bauwelt.

Dipl.-Ing. (FH) Samir Selman (Teamleiter ZM-I Fire + Risk GmbH) über alte und neue Herausforderungen beim Brandschutz.

Brandschutz scheint das große Thema unserer Zeit. Warum ist das so?

Es geht um Sicherheit. Denken Sie an 1996, als es bei Bauarbeiten am Flughafen Düsseldorf 17 Tote gab. Das war der Auslöser, die Rechtsgrundlagen zu überarbeiten und zu verschärfen. Seitdem ist Brandschutz in aller Munde. Trotzdem kommt es immer wieder zu Tragödien.

Trotzdem meinen viele, die Anforderungen seien zu hoch. Stimmt das?

Die Anforderungen sind nicht zu hoch, es geht darum, sie rechtzeitig zu beachten.

Was hat Sie zum Brandschutz gebracht?

Ich bin klassischer Bauingenieur, Statiker. Nach zehn Jahren Berufstätigkeit wollte ich mich verändern in Richtung Brandschutz. Die Kombination aus Recht und Technik war sehr interessant. Normen sind technische Regeln. Während das Baurecht ein Gesetztext ist, anders geschrieben als eine technische Norm.

Sie müssen also den Sinn hinter den Worten erkennen?

So ist es. Auch wenn man so lange dabei ist, stolpert man immer wieder über bestimmte Formulierungen und fragt sich, was dahintersteckt.

Welche Felder deckt der Brandschutz ab?

Es gibt zwei große Felder: der konstruktive und der vorbeugende Brandschutz. Den konstruktiven übernehmen die Tragwerksplaner. Wenn eine Stahlbetonplatte 90 Minuten im Brandfall halten muss, wissen sie, welche Abmessung (oder welche Deckenstärke) gewählt werden muss und wie viele Zentimeter die Betondeckung aufweisen muss – und der Brandschutzplaner erklärt, warum die Decke 90 Minuten halten muss. Er bestimmt die Anforderungen. Der konstruktive Brandschutz wurde bei ZM-I schon länger angeboten, nun kommt der vorbeugende hinzu – und jetzt ist das Paket rund.

Ein rundes Paket: vorbeugender und konstruktiver Brandschutz.

Und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit anderen Fachteams der Gruppe?

In Zusammenarbeit mit der ZM-I Diagnostic und ihrer Bauteiluntersuchung können wir ganze Pakete anbieten, etwa wenn Bestandsgebäude umzuplanen sind. Dann fragt man nicht nur nach den Baugenehmigungen, sondern auch danach, ob es richtig gebaut ist. Wir stellen einen Untersuchungsauftrag nach Bauteildicke, Betonüberdeckungen, Druckfestigkeit, Schichten und Materialien: Die perfekte Grundlage für unsere Bewertung. Das können nicht alle.

In Zusammenarbeit mit der ZM-I Diagnostic und ihrer Bauteiluntersuchung können wir ganze Pakete anbieten. Wenn z.B. ein Bestandsgebäude umzuplanen ist, stellt sich nicht nur die Frage nach Baugenehmigungen und Anforderungen, sondern auch, ob es richtig gebaut ist.

Sie meinten, alles sei interessant. Gibt es trotzdem Projekte, die sie besonders gerne bearbeiten?

Hochhäuser und Versammlungsstätten, also dort, wo Brandschutz eine besondere Rolle spielt, bei den Gebäuden und der Personensicherheit.

Am Brandschutz ist alles spannend. Von der Bewertung eines Dachflächenfensters bis hin zu Hochhäusern und Versammlungsstätten, also dort, wo Brandschutz eine besonders wichtige Rolle spielt.

Und die große Philosophie hinter dem Brandschutz?

Feuer lässt sich nicht verhindern, aber falls es ausbricht, soll es an der Ausbreitung gehindert werden. Man versucht es klein zu halten, damit Personenrettung möglich ist und um es zu bekämpfen, das ist die Taktik.

Feuer lässt sich nicht verhindern, aber falls es ausbricht, soll es an der Ausbreitung gehindert werden. Man versucht es klein zu halten, um es zu bekämpfen, das ist die Taktik.
Brandschaden an einem Antennenmast

Was für Projekte nehmen sie gerade an? Und welche sollen es in Zukunft sein?

Ehrlich gesagt ist alles am Brandschutz spannend. Absolut alles. Selbst die Bewertung eines Dachflächenfensters bei einem Wohngebäude. Von dieser kleinen Aufgabenstellung geht es bis zur Bewertung von Großprojekten. Das Spannende ist die Auslegung der Vorschriften und damit die Frage: Was hat sich der Gesetzgeber hier als Schutzziel vorgestellt?

Brandschaden nach Großbrand

Wohin wird sich Brandschutz bei ZM-I Fire + Risk entwickeln?

Mittelfristig wollen wir Brandschutzingenieurmethoden in die tägliche Arbeit einbringen. Die Modellierung von Brandszenarien mit modernen digitalen Methoden wird in Zukunft ein wichtiger Baustein sein. Entscheidend ist der Austausch. Wir haben es mit vielen Vorschriften zu tun. Und mit vielen Änderungen. Das heißt, man muss sich regelmäßig fortbilden und schauen, was sich geändert hat. Dazu kommt das dritte Thema: Einzelne Behörden haben durchaus unterschiedliche Ansichten. Damit alle im Team auf dem gleichen Level sind, muss man sich regelmäßig austauschen. Der interne Austausch ist sehr wichtig.

Auf was kann der Kunde bei ZM-I Fire + Risk bauen?

Auf das Vertrauen. Brandschutz ist Vertrauenssache.

Wie ein Wolkenkratzer im Wasser

Wie ein Wolkenkratzer im Wasser

Bauüberwachung

Wie ein Wolkenkratzer im Wasser

Bei Ohu entsteht ein gigantisches Autobahnkreuz. Bei der Großbaustelle sind Präzision und Erfahrung gefragt. Und der richtige Ton im richtigen Moment.

Kleeblatt bei Landshut: Arbeit bei Tag und Nacht.

Das ist ein Monster, entfährt es Günther Schweiger, eine 1000 Meter lange Schwergewichtswanne aus 110.000 Kubikmetern Beton. Das Kleeblatt an der Überleitung der Bundesstraße B15 neu zur A92 bei Ohu ist eine der größten Autobahnbaustellen Bayerns.

Millionen Jahre altes Grundwasser

Schweiger hat den Koloss gebändigt. Der Oberbauleiter sorgt dafür, dass die Unterquerung plangemäß fertiggestellt wird. Eine Herausforderung. Denn das Grundwasser an der Isar steht hoch. Viel zu hoch für eine normale Baustelle. Bereits die A92 verläuft auf einem Damm. Für den neuen Autobahnanschluss müssen Spundwände bis zu 12 Meter tief in den Boden getrieben werden, durch das obere Grundwasserstockwerk in eine drei Meter starke Lehmschicht.

Darunter liegt bestes Trinkwasser aus den Millionen Jahre alten tertiären Bodenschichten, welches unter Druck steht und einen Aufbruch der Baugrubensohle verursachen würde, sobald eine gewisse Erdmasse abgetragen ist. Also werden 25 Meter tiefe Brunnen angelegt, die den Druck reduzieren. Darauf liegt nun die wasserdichte  Schwergewichtswanne wie ein gigantisches Schiff, das nie schwimmen wird. Allein die Bodenplatte ist bis zu drei Meter stark. Aufgerichtet wäre das Bauwerk ein Wolkenkratzer, höher als Rekordhalter Burj Kalifa mit seinen 828 Metern.

Wir setzen auf die Erfahrung unserer Mitarbeiter.

Was für Qualitäten braucht es für die Bauüberwachung bei einem solch komplexem Projekt? Genauigkeit? Nerven aus Stahl? „Erfahrung“, antwortet Schweiger. Der Ingenieur hat bereits einige Großprojekte gestemmt, darunter zwei Tunnel am Mittleren Ring in München. Zusammen mit seinem Kollegen, der die Bauüberwachung vor Ort übernimmt, sorgt der Ingenieur dafür, dass alle Pläne genau ausgeführt werden: von der Statik bis zur Betonqualität, die laufend kontrolliert wird.

Wenn nichts Standard ist, beginnt die eigentliche Arbeit

Nichts ist Standard auf dieser Baustelle. Selbst das Trinkwasser darunter muss geschützt werden. Objektüberwachung, Planprüfung und Abnahme von Bauleistungen bedeuten vor Ort, dass immer etwas passieren kann auf einem der 13 Bauabschnitte. Schweiger und seine Kollegen müssen schnelle und sichere Lösungen finden – zusammen mit allen Beteiligten. Da reicht es eben nicht, Pläne zu lesen. Wir müssen mögliche Probleme schon vorab erkennen, sagt Schweiger. Und entsprechend vorbauen.

Oberbauleitung heißt auch, Verträge und Leistungsbeschreibungen zu Aushub, Verbauarbeiten, Rückverankerungen, Schalung und Bewehrung durchzuarbeiten. Vor Ort geht es immer um Feinheiten – bis hin zum richtigen Ton bei Kollegen und Arbeitern. Zum Glück wollte Schweiger schon immer raus, auf die Baustelle. Bereits im Studium. Ein reiner Bürojob wäre nichts für ihn.

Wir möchten Probleme schon vorab erkennen.
In einer einzigen Nacht

In einer einzigen Nacht

Objektplanung | Tragwerksplanung

In einer einzigen Nacht

Gerade sechs Stunden hatten Projektleiter Jens Heimburger und sein Team Zeit, die die beschädigte Wegbrücke über der ICE-Trasse Ossenzhausen zu ersetzen. Ein Gespräch über Planen und Bauen unter Hochdruck.

Stark beschädigte Brücke Ossenzhausen.

Die 1973 errichtete Brücke Ossenzhausen führt über die Staatsstraße St2232 sowie die zweigleisig elektrifizierte ICE-Strecke München – Nürnberg. Ein Anfahrtsschaden hatte das Mittelfeld so stark beschädigt, dass der komplette Überbau ersetzt werden musste. Abbruch und Einhub des Mittel- und Randfeldes erfolgten in einer einzigen Nacht.

Herr Heimburger, dieser Brückenschlag musste ja blitzschnell gehen.

In nur einer Nacht, um genau zu sein. Für den Aushub des Überbaus und den Einhub der Fertigteilträger über die ICE-Strecke München-Nürnberg hatten wir gerade sechs Stunden Zeit.

Die Herausforderung:
Aushub des Überbaus und den Einhub der Fertigteilträger in sechs Stunden

Wie haben Sie das geschafft?

Entscheidend war, rasch eine bautechnische Lösung zu finden, eine Fertigteil-Ortbetonkonstruktion, die auch bei knappen Bau- und Sperrzeiten funktionierte. Was die Sache zusätzlich erschwerte – oder eben richtig spannend machte – waren Planungsbedingungen wie Gradiente, geringe Durchfahrtshöhe, große Vorspannkräfte, hohe Betonfestigkeit oder geometrische Randbedingungen, aufgrund derer wir aktuelle Standardlösungen nicht übernehmen konnten, und und und.

Das müssen Sie bitte kurz erklären.

Da die Fertigteile in kurzer Zeit produziert werden mussten, haben wir sie mit einer Kombination aus Vorspannung im sofortigen und nachträglichen Verbund geplant. Zusätzlich wurden sogar – in Zusammenarbeit mit den Fertigteilbaufirmen – Zusatzstoffe entwickelt, um den Anforderungen bezüglich Kräfte und Herstellungszeit gerecht zu werden. Für den Einhub wiederum entwickelten wir eine spezielle Hilfskonstruktion, die den Einbau in sechs Stunden überhaupt möglich machte.

Die Lösung:

  • Vorproduzierte Fertigteile geplant mit einer Kombination aus Vorspannung im sofortigen und nachträglichen Verbund;
  • Entwicklung von Zusatzstoffe, die den Anforderungen bezüglich Kräfte und kurzer Herstellungszeit gerecht werden;
  • eine ausgeklügelte Hilfskonstruktion für den Einbau.

Wie gingen Sie logistisch vor?

Auf der Bahnstrecke herrscht reger Verkehr, daher mussten wir nach dem Anruf des Bauherrn sofort reagieren. Zunächst ging es um temporäre Unterstützungsmaßnahmen, um die Freigabe des Bahnverkehrs sicherzustellen. Das gab uns Zeit, um den Abbruch des geschädigten Feldes zu planen und die Standsicherheit der verbleibenden Konstruktion zu prüfen. Das Staatliche Bauamt Ingolstadt beauftragt uns darauf mit der Planung des neuen Überbaus. Die Zustandsbeurteilung zeigte, dass eine Erneuerung leider unumgänglich war. So führten wir die Objekt- und Tragwerksplanung für den Abbruch und Ersatzneubau in allen Leistungsphasen durch.

Unser Vorgehen:

  • sofortige temporäre Unterstützungsmaßnahmen zur Sicherstellung der Freigabe des Bahnverkehers;
  • Abbruch des geschädigten Feldes;
  • Überprüfung der Standsicherheit der verbleibenden Konstruktion;
  • Planung des neuen Überbaus.

Bei diesem Projekt ging es nicht nur um schnelle Reaktion und neue Konstruktionen …

… genau. Nicht zu unterschätzen war der hohe Abstimmungsbedarf. In diesem Fall gehörten neben dem Bauherrn auch die Bahn, diverse Behörden und unterschiedliche Ausführungsfirmen zu den Projektbeteiligten. Nur durch intensive Kommunikation und Abstimmung mit allen Partnern konnten wir die Informationen und Anforderungen aller Projektbeteiligten koordinieren und für eine schnelle und sichere Lösung sorgen.

Unsere Leistung:
Objekt- und Tragwerksplanung für den Abbruch und Ersatzneubau in allen Leistungsphasen

Olympiaschwimmhalle: Schwimmen wie die Sieger

Olympiaschwimmhalle: Schwimmen wie die Sieger

Instandsetzung

Olympiaschwimmhalle: Schwimmen wie die Sieger

Die legendäre Olympiaschwimmhalle wurde saniert – während Schwimmer darin noch ihre Bahnen zogen.

Leicht und luftig seit 1972: Die sanierte Münchner Olympiaschwimmhalle.

Das olympische Feeling wiederaufleben lassen. Und eine Ikone der Moderne bei laufendem Betrieb zu sanieren – das ist schon eine Herausforderung. Wir haben uns ihr bis ins letzte Detail gestellt.

Dieser Atmosphäre können sich nur wenige entziehen. Hoch über den Schwimmern faltet sich ein helles Zeltdach auf. Doch das Baudenkmal von 1972 war in die Jahre gekommen. Beginnend im Jahr 2016 wurde die Olympia-Schwimmhalle einer Generalüberholung unterzogen. Wir sanierten die geschädigten Stahlbetonkonstruktionen bei laufendem Betrieb. Zur bautechnischen Herausforderung kam eine logistische.

Es lebe der Sport

Der architektonische Entwurf hatte zum Ziel das olympische Feeling wiederaufleben zu lassen, diesen Anspruch nahmen wir auch in der Sanierung der Tragstruktur auf. Bei der Sanierung von Becken, Springerbecken mit Sprunganlagen sowie der Revisionsstegebene und den gläsernen Raumabtrennungen ging es um Atmosphäre und Authentizität. Allein die Sanierung der 90 Stützen mit ihrer typischen Wickelfalzschalung war eine Herausforderung. Normalerweise würde man den bröckelnden Beton mit 2000 bar wegstrahlen und neu beschichten. Nicht hier. Denn die Tribünenbinder tragen mehr Last als eine Tiefgaragendecke – und ihre neuen Oberflächen müssen sich perfekt ins historische Denkmal einpassen.

Komplettsanierung des Olympischen Springerbeckens ..
… durch alle Geschosse.
90 Stützen galt es zu überprüfen und zu sanieren.

Es lebe das Detail

Für die Sanierung jeder Stütze mussten wir ein bis zwei temporäre Abstützungen bis ins Technikgeschoss und unter die Bodenplatte mit neuen Fundamenten anlegen. Um die Stützen zukünftig im Fußbereich zu schützen, wurden sie mit einer OS5b-Beschichtung, zur statischen Ertüchtigung der Stützenköpfe teilweise mit einem 40 Zentimeter hohen CFK-Gelege ummantelt.

Wir wachsen an komplexen Bauaufgaben.

Einfach sanieren ist normal. Doch wir lieben Herausforderungen. Hier waren es Standards des Denkmalschutzes. Anhand von Probebetonagen testen wir die exakte Ausbildung des historischen Wickelfalzes und durch Betonkosmetik ließen wir die brandneuen Oberflächen wie alt wirken. Sogar Fehlstellen wurden auf den Beton gemalt, damit er wie alt aussah. Das überzeugte auch die Denkmalschutzbehörde. Nun leuchten die Farbringe wieder in perfektem Olympia-Hellgrün, Olympia-Hellblau, Olympia-Blauviolett und Olympia-Dunkelgrün.

Jetzt leuchten die Olympischen Farben wieder.
Wir finden Lösungen jenseits des Standards.
Sogar charakteristische Fehlstellen im Beton wurden aufgemalt.